Die Geschichte der Waltharia Meran ist kein staubiges Lehrbuch – sie ist ein echtes Abenteuer…

Geprägt von Mut, dem Einstehen für die eigene Identität in dunklen Zeiten, tiefen Freundschaften über Grenzen hinweg und Pioniergeist.

1908: Die geheime Gründung auf Schloss Runkelstein

Alles begann am 15. Oktober 1908 an einem geschichtsträchtigen Ort: Auf Schloss Runkelstein bei Bozen gründeten Schüler der damaligen Lehrerbildungsanstalt (LBA) eine neue Gemeinschaft. Da solche Verbindungen im damaligen Kaiserreich nicht immer gern gesehen waren, agierte man vorsichtig und zunächst ohne Farben zu tragen.

Schon Anfang 1909 verlor die junge Verbindung wichtige Unterlagen. Aus Angst, verraten zu werden, taufte man sich kurzerhand von „Runkelstein“ in Waltharia um. Die Farben Blau-Weiß-Schwarz wurden gewählt und das bis heute gültige Motto geprägt: „Dem Freunde Schutz, dem Feinde Trutz!“ Ein Versprechen, das bald auf eine harte Probe gestellt werden sollte. 1914 erzwang die Gefahr des Auffliegens eine erneute Umbenennung in „Neo-Habsburgia“, bevor der Erste Weltkrieg den aktiven Betrieb jäh stoppte – die Burschen mussten an die Front.

Die Zwischenkriegszeit: Idealismus gegen den Faschismus

Nach dem Krieg war Südtirol nicht mehr Teil Österreichs, die Heimat zerrissen. Der Neustart im Winter 1921 war schwer. Es fehlte an allem: an Geld, Vereinskleidung (Vollwichsen) und einer Bleibe (Bude). Doch sieben mutige Burschen (Hans Kiem, Max Morandell, Hans Zagler, Franz Ladurner, Toni Schöpfer, Hermann Kristanell und Schgör) reaktivierten die Verbindung auf Schloss Runkelstein. Was an Material fehlte, machten sie mit purem Idealismus wett.

Als die Faschisten in Italien die Macht übernahmen und versuchten, die deutsche Sprache und Kultur auszulöschen, wurde Waltharia für viele junge Schüler zu einem echten Zufluchtsort. Die Burschen wollten ein Zeichen setzen und ihre Südtiroler Identität verteidigen. Doch das Regime erhöhte den Druck massiv.

Spione vor der Haustür und Rettung über den Brenner

1925 drohten harte Geld- und Haftstrafen. Waltharia musste offiziell schließen und in den Untergrund gehen. Es war eine gefährliche Zeit. Der Altherren-Vorsitzende Max Morandell schrieb im Februar 1926:

„Schwarzhemdige Spitzel lauern vor jeder Haustür, um Geld gedungene Kreaturen verraten an die faschistischen Machthaber alles, was dazu dienen kann, Deutsch-Südtiroler auf die Galeeren zu bringen … es gilt durchzuhalten … In Treue fest!“

Um die Gemeinschaft zu schützen, wurden Mitgliederlisten und Fotos heimlich über den Brenner nach Nordtirol geschmuggelt. Nur zwei Personen wussten, wo die Dokumente versteckt waren. Die Verbindung überlebte nur im Geheimen bei privaten Treffen. Tragisch: Die mühsam nach Innsbruck geretteten Unterlagen wurden dort im Zweiten Weltkrieg bei einem Bombenangriff zerstört.

1961: Die große Reaktivierung dank der Alemannia Innsbruck

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Sehnsucht groß, Waltharia wiederzubeleben. Die Lehrerbildungsanstalt war inzwischen von Bozen nach Meran verlegt worden. Doch es dauerte bis in die 1960er-Jahre, bis der Traum Wirklichkeit wurde – und das gelang nur dank einer ganz besonderen Freundschaft.

Altherr Grissemann (v. Dr. cer. Thasso) von der Alemannia Innsbruck war als Lehrer in Meran tätig und knüpfte Kontakte zu den alten Waltharen. Zurück in Innsbruck schmiedete er Pläne: Die Alemannia sollte Patin für den Neustart werden.

Am 7. Jänner 1961 war es endlich soweit: In Meran stieg der große Reaktivierungskommers! Da Waltharia nach den Jahren der Unterdrückung absolut kein Verbindungsmaterial mehr hatte, startete die Alemannia in Nordtirol eine riesige Spendenaktion. Ob Landesregierung, Handelskammer oder andere Verbindungen – alle halfen zusammen. Das Ergebnis war überwältigend: Waltharia konnte komplett mit neuen Mützen, Bändern, Prunkbändern und Festkleidung ausgestattet werden. An diesem Tag wurde auch das ewige Freundschaftsabkommen zwischen der Waltharia Meran und der Alemannia Innsbruck besiegelt, das bis heute die Mitglieder beider Verbindungen wie Brüder verbindet.

Pionierinnen der Moderne: Mädchen bei Waltharia

Die Welt veränderte sich, und Waltharia ging mutig voran. Während das traditionelle Verbindungswesen lange Zeit reine Männersache war, bewies Waltharia echten Weitblick: In den Nachwehen der 1968er-Bewegung öffnete sich die Verbindung und nahm ab 1979 auch Mädchen als vollwertige Mitglieder auf. Damit war Waltharia ihrer Zeit weit voraus.

Nach einer späteren, ruhigeren Phase, in der das aktive Verbindungsleben in Meran einschlief und die Verbindung von den älteren Mitgliedern (dem Waltharen-Bund) und den treuen Bundesbrüdern der Alemannia Innsbruck am Leben erhalten wurde, schlagen wir nun das nächste Kapitel auf.

Heute: Die Zukunft beginnt jetzt!

Im Dezember 2024 wurde der Entschluss gefasst: Waltharia Meran kehrt dauerhaft zurück! Unterstützt von der Alemannia Innsbruck erwecken wir die Verbindung zu neuem Leben.

Wir verbinden die Werte und den Mut der Gründerzeit mit einem modernen, offenen Gemeinschaftsleben für die Jugend von heute. Egal ob Schülerin oder Schüler in Meran – bei uns findest du eine Gemeinschaft, die füreinander einsteht, gemeinsam feiert, lernt und Freundschaften fürs Leben schließt. Werde Teil unserer Geschichte!